Berlin Schöneberg: Maassenstrasse

Die Stadt Berlin hat im Rahmen seiner Fussverkehrsstrategie verschiedene Modellprojekte umgesetzt, darunter die Einrichtung einer Begegnungszone. Die Begegnungszone Maassenstrasse in Schöneberg ist seit einem Jahr in Betrieb und funktioniert gut. Die 4-spurige Fahrbahnfläche wurde auf eine schmale Fahrgasse reduziert und der dabei gewonnene Platz für den Aufenthalt umgestaltet. Er wird rege benutzt.

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Die verkehrsrechtliche Regelung «Begegnungszone», wie sie in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Österreich bereits seit Jahren eingeführt wurde, existiert in der deutschen Strassenverkehrsordnung noch nicht. Berlin und verschiedene andere Städte, Verbände, Politiker und Verkehrsfachleute haben mehrfach Vorstösse unternommen, um diese Regelung auch in Deutschland einzuführen. Die zuständigen Bundesbehörden haben dies aber wiederholt abgelehnt.

Verkehrsrechtlich hat daher Berlin die bestehenden möglichen Regelungen kombiniert. Es wurde eine Zone 20 und eine Parkverbotszone kombiniert. Das Signal «Begegnungszone» auf grünem Grund orientiert sich am österreichischen Signal, hat aber verkehrsrechtlich keine Bedeutung, da nicht «offiziell». Es wird aber verstanden. Die verschwenkte und eingeengte Fahrbahn sowie die verkehrsberuhigende Gestaltung führen zu einem guten Ergebnis. Das Tempo ist tief, da das Kreuzen nur an dafür vorgesehenen Stellen möglich ist. Den Fussgängern wird der Vortritt meist gewährt, auch wenn er verkehrsrechtlich in der deutschen Zone 20 nicht verankert ist.

Der Einführung der Begegnungszone Maassenstrasse war eine intensive Bevölkerungsbeteiligung vorausgegangen. Dennoch ist die Maassenstrasse nicht aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Opposition ist auch ein Jahr nach Einführung nicht verstummt und wird medial unterstützt. Tempo 20 sei „total spiessig“ und „unpassend für den Kiez“, es habe zu wenig Parkplätze und die Händler hätten Umsatzeinbussen. Der Gewinn an Aufenthaltsqualität wird immerhin attestiert, wenn auch nur bei schönem Wetter… Es ist zu hoffen, dass die Senatsverwaltung von Berlin an der Strategie festhält und weitere Begegnungszonen als Modellprojekte umsetzt.