Bern, Untere Altstadt

Die Pflästerung war seit längerer Zeit in schlechtem Zustand und auch die Gas- und Wasserleitungen waren am Ende ihrer technischen Lebensdauer angelangt. Mit der 2005 erfolgten Gesamterneuerung von Kramgasse und Gerechtigkeitsgasse hat die Stadt Bern die Gunst der Stunde genutzt und diese Gassen umgestaltet sowie ein neues Verkehrsregime eingeführt, so dass die Untere Altstadt nun zum Flanieren und zur Begegnung einlädt. Der Stadtbach ist wieder sichtbar und dank der Erweiterung des Casinoparkings gibt es in der Kramgasse nun keine öffentlichen Parkplätze mehr. Die Reduktion des Parkiersuchverkehrs begünstigt den Erfolg der Begegnungszone zusätzlich. Weitere Gassen werden parkplatzfrei, wenn gegen Ende 2006 auch das um 118 Parkplätze erweiterte Rathausparking eröffnet werden kann.

„Grandezza“ in der Altstadt

Der Wirt, die Leistpräsidentin, die Gemeinderätin – alle freuen sich an der Begegnungszone Untere Altstadt.

Mehr Wohnqualität, attraktive Gassen, Geschäftsleute, die sogar mit dem Parkregime zufrieden sind: Die Bilanz der Begegnungszone Untere Altstadt fällt positiv aus.

Zwar gilt das Regime bereits seit Oktober 2005 – doch richtig zum Tragen kommt es erst jetzt, mit dem Eintreffen des Sommers: Immer mehr Restaurants stellen Tische und Sonnenschirme auf die Strasse hinaus, es macht sich eine sommerlich-südliche Stimmung breit.

„Wir hören kaum etwas Negatives“, sagt Ursula Bischof Scherer, Präsidentin des Kramgassleistes: „Die Wohnqualität hat sich massiv verbessert.“ Weil die Autos nur noch 20 fahren dürfen, sei es ruhiger geworden. Dank der Aufhebung von Parkfeldern wirke die Gasse grösser, „die Häuser kommen besser zur Geltung, es gibt eine gewisse Grandezza. Für die Geschäfte sei es heute besser als vorher: Weil nicht permanent parkiert, für die Anlieferung oder das Abholen von Gütern aber das Auto abgestellt werden darf, „kann man den Kunden sagen, dass sie immer einen freien Platz finden“, sagt Bischof, deren Mann das Geschäft Pendulier Scherer betreibt. Bloss müsse man das den Leuten sagen, denn „viele wissen das nicht“. Von einzelnen Geschäften habe sie gehört, dass es anfangs Probleme mit der Anlieferung gegeben habe, diese Probleme versuche man zu lösen. Dabei sei der Kontakt zur Stadtverwaltung eng und die Zusammenarbeit konstruktiv. (Der Bund: 10.06.06)

Geschichtlicher Abriss von der Idee bis zur Realisierung

Bauphase / Planung

2001 / 2002: drei Altstadtforen mit rund 50 Beteiligten zu Idee und Vorprojekt „Flanierzone Untere Altstadt“
Februar 2003: Parlament beschliesst Ausführungskredit für die Begegnungszone (CHF 790 000.00.-)
2003 / 2004: Projektierung und TU-Submission Gesamterneuerung Kramgasse-Gerechtigkeitsgasse
Februar 2004: Volksbeschluss zu Gesamterneuerung der Kramgasse-Gerechtigkeitsgasse
ab Herbst 2004: archäologische Grabungen, anschliessend Bauarbeiten mit 3-monatiger Totalsperre
22. Okt. 2005: Eröffnungsfest mit Brunnenenthüllungen, Gassentheater und Einweihung Kunst
ca. Ende 2006: Eröffnung Erweiterung Rathausparking (+118 PP)

Beschreibung vorher – nachher

vorher:
– Gassenseiten durch Autos zuparkiert
– Fussverkehr in die Lauben und auf Minitrottoirs verdrängt
– wenig Platz für Aussenbewirtung
– Missachtung Einfahrtsverbot Hotelgasse 11-19 Uhr
– Stadtbach nicht sichtbar
– Touristen behindern vor Zytglogge den öV
neu sind:
– Gassenpflästerung
– offener Stadtbach inkl. Kunstintervention
– Parkregime und parkplatzfreie Gassen
– Kaphaltestelle Nydegg und Lage der Haltestelle Zytglogge
– pneumatische Poller in der Hotelgasse

Unfälle / Erfolgskontrolle

vorher: 65 Unfälle während 5 J. (1998-2002)