Die vom früheren Durchgangsverkehr geprägte Altstadt Liestal wurde mit der Neugestaltung der Rathausstrasse zum entschleunigten Zentrum der Stadt aufgewertet. Durch die Aufhebung der Trottoirs entstand eine vergrösserte, frei begeh- und bespielbare Strassenfläche. Die Neugestaltung nimmt Bezug zu den wertvollen Gebäudefassaden der historischen Altstadt, welche den Strassenraum prägen. Die Rathaustrasse ist zur Fussgängerzone geworden, die zum Austausch, Verweilen und Einkaufen einlädt, während die übrigen Altstadtgassen als Begegnungszonen moderiert bleiben.
In den 2000-Nuller-Jahren wurde die Altstadt Liestal als Begegnungszone eingerichtet, wobei auf der zentralen Rathausstrasse bereits ein Durchfahrtsverbot galt. Damit sollte eine bessere Koexistenz des Verkehrs und insbesondere auch mehr Qualitäten für die Laufkundschaft der zahlreichen Geschäfts- und Gastrobetriebe erreicht werden.
An der Rathausstrasse waren nicht nur der Strassenbelag und die Werkleitungen seit Langem sanierungsbedürftig. Die verkehrsorientierte Gestaltung vergangener Tage mit schmalen Trottoirs genügte den Anforderungen an ein lebendiges Zentrum nicht mehr. Bereits in den 1980er-Jahren war die Neugestaltung der Rathausstrasse das erste Mal ein Thema. Die Vorhaben zur Neugestaltung der Rathausstrasse wurden aber an zwei Volksabstimmungen abgelehnt. Erst beim dritten Anlauf für die Umgestaltung der Rathausstrasse gelang der Durchbruch: Nach der Überweisung eines Postulats an den Stadtrat im Jahr 2014 wurde ein Bauprojekt ausgearbeitet, dass alle beteiligten Anspruchsgruppen befriedigte. 2017 fiel dann der Startschuss für die Umbau- und Sanierungsarbeiten. Noch im selben Jahr wurde das Projekt fertiggestellt. Bei der Projektumsetzung wurde auf eine Pflästerung verzichtet und die Flächen mit einem einheitlichen Asphalt-Belag versehen, der ein ruhiges und einladendes Gesamtbild vermitteln soll. Durch die Aufhebung der Höhenabsätze ist ein frei begehbarer öffentlicher Strassenraum entstanden, in dem auch Sitzbänke den Aufenthalt ermöglichen. Durch breite Granit-Natursteinbänder ist vor jeder Liegenschaft eine Art privater Vorplatz entstanden. Die so gebildeten 54 Vorplätze rhythmisieren das Strassenbild und verbinden den privaten mit dem öffentlichen Raum. Die geringen, aber gezielten Massnahmen ergeben im Zusammenspiel mit den hochwertigen Baumaterialien einen Mehrwert sowohl für die Läden als auch für die Passant/innen.
Die neue Rathausstrasse ist nicht mehr als Begegnungs- sondern als Fussgängerzone signalisiert, in der die Zufahrt lediglich für Anlieferungen am Vormittag erlaubt ist. In den weiteren wichtigen Altstadtgassen (Salzgasse, Fischmarkt, Kanonengasse, Spitalgasse, Büchelistrasse) und den Zubringern dazu (Rheingasse, Seestrasse, Wasserturmplatz) wurde die bestehenden Begegnungszonen belassen. Im ganzen ist so ein kohärent moderiertes Zentrum vom Liestal entstanden, das einen guten Ausgleich zulässt zwischen belebten und von Menschen zu Fuss benutzten Abschnitten einerseits und Strassenstücken andererseits, auf denen die Zufahrt für den Motorfahrzeugverkehr weiterhin möglich bleibt.
Organisation
Auftraggeber: Stadt Liestal, Hochbau und Planung
Projekt: Stauffenegger + Partner Basel
Umsetzung: Ingenieur: Holinger AG; Lichtplaner: Art Light GmbH
Meilensteine
1996-98: Planungskredit zur Neugestaltung der Rathausstrasse
1998: Ablehnung Umsetzungskredit durch Volksabstimmung
2014: Motion / Überweisung an den Stadtrat
2015-16: Studienauftrag und Projektierung
2017: Baubeginn und Fertigstellung
Kostenrahmen
Kosten: CHF 3’900’000.-
Kontaktstelle
Tiefbau
Nonnenbodenweg
4410 Liestal
Tel. 061 927 53 00
tiefbau@liestal.ch


































