Basel

Im partizipativen Prozess der «Werkstadt Basel», in der die Bevölkerung ihre Wünsche für eine attraktivere Stadt einbringen konnte, wurde der Wunsch nach mehr Begegnungsflächen im Quartier laut. Quartiersstrassen sollten vermehrt als Ort der Begegnung und des Aufenthalts genutzt werden können. Daraus entstand das Projekt «Begegnungszonen in der Stadt Basel».

Das aus Werkstadt Basel entstandene Aktionsprogramm Stadtentwicklung (APS) fasst alle Werkstadtprojekte zusammen und enthält auch die Projekte für die Begegnungszonen, die in einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe bearbeitet werden. Dazu wurde ein Vorgehenskonzept erarbeitet. Es hält fest, wo und unter welchen Umständen Begegnungszonen eingeführt werden können, beschreibt die Umsetzung und die Öffentlichkeitsarbeit.

Planung und Bau

Als erstes wurden sämtliche Strassen der Stadt Basel aufgrund ihrer Funktion (nutzungsorientierte Strasse), des angrenzenden Verkehrsregimes (Tempo-30-Zone) und des ÖV-Netzes (kein öffentlicher Verkehr) auf ihre Eignung als potenzielle Begegnungszonen hin geprüft. Bei der Abklärung, in welchen Strassen das Bedürfnis nach einer Begegnungszone besteht, wurden die unabhängigen Quartiervereine einbezogen. Aufgrund ihrer Eingaben sowie bereits bei der Verwaltung vorliegender Begehren wurden pro Quartier zwei bis drei geeignete Strassen für eine erste Bearbeitungsphase ausgewählt. Von den insgesamt rund 70 Eingaben wurden vorerst etwa 30 Strassen in der ganzen Stadt bearbeitet.

In den ausgewählten Strassen werden aufgrund eines Gutachtens mit Angaben zu Eignung, Verkehrsaufkommen, Geschwindigkeit und Auswirkungen auf das Umfeld sowie einer Begehung mit den jeweiligen Initianten vor Ort Projektvorschläge in der Arbeitsgruppe ausgearbeitet. Daraufhin folgt eine schriftliche Umfrage bei LiegenschaftseigentümerInnen und der Anwohnerschaft. Das Schreiben enthält eine Erklärung der Ausgangslage, einen Projektbeschrieb mit Planskizze, einen Fragebogen, eine ausführliche Informationsbroschüre und in manchen Fällen eine Einladung des Kinderbüros Basel für deren Beispieltag. Voraussetzung für die weitere Bearbeitung des Projekts ist die Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Antwortenden. Nach der Auswertung der Fragebogen werden die Anwohnenden und LiegenschaftseigentümerInnen über das Resultat und das weitere Vorgehen schriftlich informiert.

Bei Weiterbearbeitung des Vorhabens wird das Projekt den zuständigen Genehmigungskommissionen vorgelegt und anschliessend publiziert. Um kostengünstig Begegnungszonen einführen zu können, wird grundsätzlich auf bauliche Massnahmen verzichtet. Nebst einer deutlichen Torsituation (Torelement) sind Ummarkierungen von Parkfeldern, die Markierung 20 km/h und eine standardisierte Möblierung (Sitzelement und Pflanztrog) vorgesehen. Mit der standardisierten Gestaltung von Torelement und Möblierung soll der Wiedererkennungseffekt verstärkt werden.

Öffentlichkeitsarbeit, Einbezug von Bevölkerung und Gewerbe

Bereits bei der Lancierung des Projekts Begegnungszonen war der Einbezug der Anwohnerschaft und der LiegenschaftseigentümerInnen der betroffenen Strassen sowie die Information der breiten Öffentlichkeit ein wichtiger Bestandteil. So wurden schon im Vorfeld verschiedene Informationsveranstaltungen und Podiumsdiskussionen durchgeführt. Die Medien wurden über Vorgehen, Bedeutung der Begegnungszonen und Stand der Projekte informiert. Zudem organisierte das Kinderbüro zusammen mit den Initianten einen Beispieltag. Die Einführung einer Begegnungszone wurde mit Plakaten und Transparenten begleitet. Das Plakat erinnert an die wichtigsten Regeln der Begegnungszone: Fussgängervortritt und Tempo 20. Die Erkenntnis, dass die Begegnungszone und ihre Regeln noch zu wenig bekannt sind, war der Anlass für zusätzliche Massnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2006. Eine davon war ein Infoflyer über die Begegnungszonen, der von der Verkehrsabteilung der Kantonspolizei den Motorfahrzeugsteurerrechnungen beigelegt wurde.

Erfolgskontrolle

Nach Einrichtung von zehn Begegnungszonen wurde eine erste Nachevaluation vorgenommen. Laufend werden Geschwindigkeitsmessungen und Verkehrsaufkommen in den realisierten Begegnungszonen erhoben und Anliegen der Anwohnenden entgegengenommen. Die Evaluation dient zur Bestimmung notwendiger Nachbesserungen, zur Überprüfung der Eignungskriterien sowie der Akzeptanz der Begegnungszonen für die Bearbeitung der weiteren Begehren. Ein vom Baudepartement des Kantons veröffentlichter Bericht zur Erfolgskontrolle der verschiedenen Projekte zeigt, dass eine generelle Senkung der Geschwindigkeit unter 30 km/h erreicht wurde. Gleichzeitig wird die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h nur in zwei Begegnungszonen eingehalten. Die Geschwindigkeiten sind insbesondere in den Begegnungszonen Alemannengasse, Rührbergerstrasse und Dorfstrasse zu hoch. Die Verkehrsmenge fiel vor und nach der Einführung der Begegnungszonen in etwa gleich aus. Eine Abnahme der Anzahl Fahrzeuge wurde nicht erwartet, da eine Beruhigung in erster Linie durch die Senkung der Geschwindigkeit und nicht durch die veränderte Routenwahl der FahrzeuglenkerInnen erzielt werden soll.

Kritische Erfolgsfaktoren, Schwierigkeiten während Planung und Umbau:

Parkplätze sind ein delikates Thema bei der Planung von Begegnungszonen, denn die Meinungen gehen oft auseinander. Einerseits wird die Beibehaltung der bisherigen Parkplatzsituation verlangt, auf der anderen Seite werden Parkplatzaufhebungen zugunsten einer Begegnungsfläche gewünscht. Im Rahmen von Projektvorschlägen zu Begegnungszonen wird meist versucht, so wenig Parkplätze wie möglich aufzuheben. Dadurch soll vermieden werden, dass der Projektvorschlag am Thema Parkplätze scheitert. Gleichzeitig engt dieses behutsame Vorgehen die Gestaltungsmöglichkeiten ein, was ein bislang ungelöstes Dilemma darstellt.

Seit der Umsetzung:

Folgende Probleme und Schwachstellen wurden von InitiantInnen von Begegnungszonen häufig genannt: – Die Begegnungszone und die damit verbundenen Regelungen sind zu wenig bekannt. – Das Torelement wird nicht als Verkehrsschild wahrgenommen, und das Signal „20“ ist zu klein. – In den meisten Gesprächen wurde die Geschwindigkeit als zu hoch eingeschätzt. Dies wird unter anderem auch auf den mangelnden Bekanntheitsgrad der Begegnungszone zurückgeführt. – Zur Erinnerung an die einzuhaltende Geschwindigkeit wird das Anbringen einer Signalisation „20“ am Boden gewünscht. – Vielfach wird die beschränkte Gestaltungsmöglichkeit gemängelt. Eine Begegnungszone soll besser erkennbar sein und sich von anderen Strassen deutlicher abheben.

Kosten und Finanzierung 

Rahmenkredit Wohnumfeldaufwertung über CHF 25 Mio. für Projekte aus dem APS – Kredit für Öffentlichkeitsarbeit und Tempomessungen: CHF 87’000.- – Kredit für die ersten sechs Begegnungszonen: CHF 79’000.- werden die Einfahrten in die Begegnungszone mit 3 unterschiedlich breite und quer zur Fahrbahn angeordnete Balken

Mehr Informationen zu Begegnungszonen in der Stadt Basel finden Sie hier.